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gedichte &ä. von Vcv(w)-mitgliedern oder über sie:

Eckehard-Vincent Herb-Bonnofsky

 

„Für W.G. (8. November 2005)

 

Entsteht das so, was man dann still bewundert?

Ich seh dich: zugewandt dem Publikum

mit frechem Witz als unstürmbare Festung.

Dann schwenkst du zum Klavier, als tauchtest du

in eine Welt, die sich so voll verkündet

als eine unfaßbare Harmonie;

Du, der du jede Regung so verbindest

mit einem Grund, der göttlich uns erregt

als eine Seele, als gelebten Traum!

Und was uns trennt, ist tröstlich jetzt vereint

in einem unbegrenzten Lebensraum.

Und doch - was gäb’ ich dafür! - könnte ich

dir in den Augenblick des Wandels folgen:

Dies’ Nadelöhr zu dieser Seelenwelt

in der Begegnung zu dem Raume weiten,

in dem – deß’ bin ich sicher – wir ganz menschlich

und ganz gemeinsam alle Gründe spür’n,

die uns entzwei’n im ungelebten Leben;

so daß nichts wäre zwischen Hier-&-Jetzt,

nicht ’mal ein Ort, dich leise zu bewundern.

Nichts als der Mensch, der Mann, der Leben kündet

( - und was uns trennt, ist: was im Grund verbindet:

Dort, wo das Leben lacht und Tränen weint… - );

denn wenn du spielst, dann fühl’ ich mich gemeint!

 

 

 

 

 

 

 

    Foto: V.Herb


Herbstzeitlose

 

von Helmut Roewer

 

Es bissen die Grafen von Grafenstein

mit Wollust in ihren Apfel hinein;

die Wollust im Maul und im Gehänge

bracht’ manche Steinerin in’s Gedränge!


 

Herbstzeitlose 

 von Joachim Werneburg 

 

Es fehlen ihr die grünen Blätter,

Und in der Farbe ihres Fleisches

Blüht im Grase sie unbekümmert.

Sie fände auch in diesem Herbste,

Das höre ich die Freundin sagen,

Keine Zeit mehr für ihre Früchte.

 

Wer ihrem Reize nicht erlegen,

Erhielte von der Zauberischen

Einen giftigen Trank bereitet.

Dafür erhellte sie des Morgens

Ihm, der zum Abend sie besuchte,

Noch die Wegstrecke nach Atlantis. 

 

(aus: „Die Wanderung“, 1988)


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"Erlinde", Ilmnixe, Schutzpatronin des VCV(W), "Rosa mystica" der Wasserwelt, Tochter des Erlkönigs, ...
ein "Carmen mysticum/eroticum" aus meiner Feder, nichts für Ängstliche...
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DER SCHNEIDER VON ULM

von Hubert Schirneck für Günter Kunert

Also gut eines Tages
werden sie sagen: jeder
bekommt seine Flügel
auf Antrag
Wartezeit zehn Jahre

und uns damit den Grund
aller Träume nehmen

wenn wir nicht
bevor wir den letzten Schritt machen
gestehen
daß wir unvollkommen sind
sein werden

wie ein Gedicht etwa
oder ein Vogel


Gedichte von Reinhard Doberenz

  

Die Nixe

 

Die Nixe singt am Meer bei Nacht

eine verträumte Weise;

die Locken fallen feenhaft-sacht’,

die Wellen rauschen leise.

Und dieses wunderbare Lied

entschwebt in blaue Fernen;

ja - selbst die Vög’lein werden nicht müd’,

lauschend unter den Sternen…

 

---

 

Auf dem Meer

 

Rauschend zieh’n die Well’n, die leisen

über’s Meer so ahnungsvoll;

einsam geht ein Schiff auf Reisen

- wohin es wohl fahren soll?

Golden schweigt die Mondesnacht;

jemand an der Reling steht,

träumt sich in die Märchenpracht;

Windhauch ihm entgegenweht,

träumt von sel’ger Kinderzeit

längst vergang’nem fernen Glück;

ringsum liegt das Meer so weit,

bringt’s ihm niemals mehr zurück…;

so versonnen steht er, lauscht

zauberhafter Mondespracht

und das Meer ganz leise rauscht

in der wunderstillen Nacht.

 

---

 

Meeressturm

 

Grausig heult der Sturm über dem tobenden Meer;

der fahle Widerschein des Mondes in den wütenden Wassern

vollführt einen wilden Tanz.

Aufgeregte Wolkenschleier fürchten sich sehr.

Die Abgründe der Wellenberge und Wellentäler lassen die Seele mächtig erzittern

und der nächtliche Wanderer kann verwegene Träume entfalten,

denn die Deiche halten.

 

---

 

Meerwind

 

…und der Wind weht von fern

über’s blau-weite Meer;

was er sah, wüßt’ ich gern

- er erbaut mich so sehr!

Doch nur ahnend ich’s lern’

voller Sehnsucht mein Begehr’;

und der Wind weht von fern’

über’s blau-weite Meer.

 

Er sah Inseln, meilenweit,

Lande, fremd mir allezeit,

dunk’len Wald, schöne See’n,

fern’ Gebirg’, ferne Höh’n;

und dies’ linde Wellenschlagen

bringt mir nun zarter Fön;

hört das sanfte Getön

wie vergeß’ne Meeressagen

über den Wogen: leichtes Jagen,

wie Sirenen, die verwöhnen… -

und der Wind weht von fern

über’s blau-weite Meer

und da leuchtet ein Stern

wie als stiller Traum zu mir her.

 

---

 

Am Saale-Ufer

 

Im Weidenbaum, im Weidenbaum in stiller Frühlingspracht,

da sang ihr Lied die Nachtigall hindurch die ganze Nacht.

Die Weise war so wunderbar, von Liebesglück und -leid;

sie schluchzte und sie trillerte gar lange-lange Zeit.

Mir war’s am Saaleufer, der Fluß endigt sein Rauschen

und schien nun andachtsvoller dem süß’ Nocturne zu lauschen.

Ja: selbst den Mondesglanze entzückte dieser Schall

freundlich hinunterblickend zur holden Nachtigall!

 

Im Weidenbaum, im Weidenbaum in stiller Frühlingspracht…:

es war so zauberhaft der Klang - ein schöner Traum, die Nacht!

 

---

 

Auf meinem Balkon

 

Berauschend schön ist das Kleid des Mittags,

gefertigt aus leuchtender Sonne.

Tauben, Schwalben, Schmetterlinge durchschweben des Frühlings Glanz.

Vor mir schaue ich in eine grünende Weide,

gegenüber und rechts prächtig sanierte Häuserblocks,

unter mir einen Kinderspielplatz:

alles umgeben von blühenden Wiesen. —

Mein Blick weitet sich:

der Thüringer Wald umsäumt den nach der Ferne sinnenden Horizont.

— Der Mittagswind webt das Idyll der Bäume.

Sie säuseln ihr eigenes Lied,

sanft berührend meine Seele, die schwingt,

die selig drängt bis hin zu den weißen Wolken. —

O Blütenpracht,

o Sichvergessen,

o stiller Zauber der Natur!

 

---

 

Einsamkeit

 

O Waldesruhe unter Birken!

Soeben fern die Amsel sang.

Laß’ dieses Träumen auf dich wirken:

und diese Stille wird zum Klang.

Gar zauberhaft ist dieses Tönen;

geh’ in dich und erkenne dich,

laß’ dich von diesem Klang verwöhnen:

er ist so sanft, so inniglich…

 

O tiefe Waldesruhe!

So-eben fern die Amsel sang:

laß’ dieses Träumen auf dich wirken -

und diese Stille wird zum Klang!

 

So zauberhaft ist dieses Tönen;

geh’ in dich und erkenne dich,

laß’ dich von diesem Klang verwöhnen:

er ist so sanft, so inniglich…

 

O tiefe Waldesruhe:

verhallt ist längst der Amselsang,

da träume ich von einer schönen Fee

die ganze liebe Nacht entlang:

 

sie sitzt mit Geige auf ihrem Thron,

wenn sie die Saiten streicht;

da hör’ ich mystisch zarten Ton,

der erst dem Morgen weicht…

 

---

 

Unerfüllte Liebe

 

Ein wunderbarer Frühlingstag!

Was übrig bleibt, ist ein Hauch von Glück…

 

---

 

Gesang vom Meer

 

Altes Rauschen des Meeres:

du bist mir immer wundersam neu

und die ersten Möwen huschen scheu,

grüßend,

versüßend

den heraufdämmernden

Morgen, den schimmernden.

Sturmwolkenfetzen

ergötzen,

hetzen,

und das Dünengras sich biegt

ringend; so in Schlaf es wiegt

die Nacht; der Tag düster liegt.

Tosende Brandung: Erquickung frei,

Urgewalt: schenkst Kraft mir neu,

Ein Schiff durchwühlt die Wogen, aufbäumend

sich im starken Wind; der Gischt fliegt schäumend

um den Bug; im Strandkorb sitz' ich träumend… —

 

Altes Rauschen des Meeres:

du bist mir immer wundersam neu;

bei dir durchwacht' ich jene Nacht — und in mir keine Reu'…;

o du weiter Atem der Natur!

 

---

 

Die Weide

 

Die Weide muß voll Trauer sein:

einsam am Ufer sie träumt.

Sie schaut so tief in den Strom hinein,

daß kräuselnde Wellen sie säumt.

Und der Fluß rauscht sanft im Tale.

Ich darf im Traum sie nicht stör’n;

das ist der Zauber der Saale,

der Weide stilles Begehr’n.

Doch als ich sie sah im Mondschein,

da erahnt’ ich fernes Glück.

Ach führte mich doch ein Weg da hin!

Noch bleibt die Sehnsucht mein Geschick…

 

---

 

Frühlingsmorgen

 

Am schönen Frühlingsmorgen

die Sonne schien so klar,

Wolken am Himmel zogen:

das war so wunderbar.

 

O träumerisches Schweben,

voll Anmut die Idylle

den Himmel selbst beleben

mit zauberhafter Stille.

 

Schwalben flogen auf & nieder

über der blühenden Au’

und ich schaute aus dem Fenster

so weit in des Himmels Blau!

 

---

 

Im Drackendorfer Park

 

Jüngst lief ich durch den Park

in dem Sonnengold,

und der Morgen webte

ein Kleid aus Stille.

Die Wiese — vom Silbertau durchträufelt,

nur Blumen wisperten

in die milde Spätsommerfarbenpracht. - -

Der Stille wundervolle Tröstung

sog meine Seele begierig in sich auf;

und den Park durchquerend

ging ich hinein in den leuchtenden Sonntag —

selig — weit und schön war die Welt!

 

---

 

Alexandra & Jan

 

Auf dem Dock steht Jan, der Seemann

einsam im Zauber der Nacht

und eine zarte Brise weht, an

die Liebste er gedacht.

Sein Sinn schweift in goldne Ferne

und sehnsuchtsvoll ist der Blick.

Am Himmel glänzen die Sterne,

doch sein Stern kehrt nicht zurück.

Im Palmen- und Olivenhain

auf Rhodos’ weißem Strand

küßte er sie im Abendschein,

Alexandra hielt seine Hand.

Sie war eine holde Schönheit

mit schwarzem wallenden Haar,

niemand ihr gleichend weit und breit -

solch’ Wesen ist wunderbar!

Diese Augen - traumversonnen -

waren so blau wie die See;

Jan hat sie für sich gewonnen,

nicht ahnend sein nahes Weh.

Sie sprachen auch von Ehe,

hinstrebend zu ihr als Ziel

und im Rausch von sel’ger Treue

brannte lodernd ihr Gefühl.

Doch ein Reicher aus der weiten Welt

löschte dies’ Märchen aus;

er hatte viel Güter, Macht und Geld,

lebte in Saus und Braus.

Sie war gefangen in Zwängen,

ihr Herz wurde nicht erhört,

ihrer Familie Drängen

hat die Verbindung zerstört…

„O liebster Jan: verzeih mir!

Es will doch brechen mein Herz;

ewig gehörn doch zusammen wir!

Kannst du versteh’n meinen Schmerz?“;

in seine Arme nahm er sie -

Liebkosungen ohne Zahl! -

blieben versunken wie noch nie,

denn es war das letzte Mal.

Der Abend kam so wild, doch sacht,

voller Leidenschaft erfüllt

durchlebten sie die Liebesnacht,

bis ihr Verlangen gestillt;

und sie tauschten sich die Ringe,

war’n sehr zärtlich vor dem Gehen,

durchlitten so schlimme Dinge,

haben sich nie mehr geseh’n.

Noch einmal sahen sie sich doch,

als das Schiff stieß vom Land;

innigsten Gruß sand er ihr noch,

voll Tränen sie am Ufer stand.

So entschwand sie mehr und mehr,

sein Blick war nur nach ihr gericht’t,

bis nur noch einen Punkt sah er;

die Woge nahm sie seiner Sicht.

Ihre Sehnsucht zeigen die Briefe,

er las d’rin in der Nacht;

ihm war’s, daß sie neben ihm liefe

wie einst durch Rhodos’ Pracht.

Alexandra, seine Liebe!

Sie war Jans hohes Glück!

Und das sanfte Meeresrauschen

bringt einen Gruß von IHR zurück…

 

---

 

Nebel

 

Ihr Schleiergewand zieht an die Welt;

Alles ist gespenstisch grau,

Und schemenhaft steht der Baum im Feld;

Es ist nichts zu sehn genau.

Im Nebeldunst verschwimmt der Wald;

Nur kahle Zweige ragen,

Und es ist doch schon ziemlich kalt

In diesen düstern Tagen.

Und die menschlichen Gestalten —

Wenn die Sonne versagt ihren Schein —

Gleich dämmernden Schatten walten;

Da möcht' gerne ich zu Hause sein.

Wann verlieren sich die Nebel;

Heller Tag, wann brichst du sanft herein,

Ist's doch düster noch und trübe?

Diese Frage trifft nicht mich allein.

 

---

 

Verschleiert

 

In geheimnisvoller Nacht

schwingen meine Phantasien;

Träume irren in die Ferne;

Hoffnungen erblüh’n.

Wolkenschleier umweben den Mond;

wie ein Zauber — dies’ Idyll;

verschleiert liegt auch die Zukunft… -

und der Mond — schweigt still.

 

---

 

Das einsame Licht

 

Es war in wunderbarer Winternacht.

Der Schnee verzauberte die Bäume

und die Flocken fielen herab so sacht:

dies strickte versonnene Träume.

Nur ein einsames Licht in der Ferne,

das drang bis zu dem Wanderer hin.

Tiefe Wehmut kommt ihm in den Sinn,

denn die Wolken verbargen die Sterne.

Versunken er nun dies’ Licht betracht’t;

und wie so verträumt der weite Raum!

Sein Sinn wieder neu in ihm erwacht,

denn dies’ Licht war - ein Weihnachtsbaum!

 

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Im Vorfrühling

 

Maienahnendes Grünen, hindrängend zur Erneuerung:

viel Mittag liegt auf der Landschaft, sonnendurchglänztes Bilden!

Und das Innere bekommt Flügel, fliegt hinaus im Lichtrausch der Seele:

o wonniges Fühlen, weites Schwingen! Dies’ zu beschreiben mir Worte fehlen —

 

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Vorfrühling

 

Die Weide grünt im Mittagsglanz:

das ist der Zauber „pur“

in der holden Vorfrühlingszeit

erwachender Natur!

Und die sanfte Himmelsbläue

die Wolken weich umschweben;

erträum’ mir einen Blumenkranz:

auf’s Neue Sinne leben!

 

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Ein süßer Traum

 

Ein süßer Traum hält mich gefangen,

ein Traum von Liebe, Lust und Leid,

Prächtige Lieder in uns klangen

in wunderbarer Jugendzeit.

O halt ihn fest, den süßen Traum,

der mir noch ist geblieben;

wie grünte da der Lindenbaum!

So schön war unser Lieben!

So werden Träume Wirklichkeit

und Wirklichkeit, die wird zum Traum;

doch glücklich, wer noch träumen kann,

wem seine Zeit dafür gibt Raum!

Ein süßer Traum hält mich gefangen,

ein Traum von Liebe, Lust und Leid;

so schön die Vöglein damals sangen;

doch diese Zeit, die liegt so weit —

 

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Herbst

 

Meine Seele schwimmt im Gold der Blätter

in so tiefen Gedanken

und ist sie trunken bei diesem Wetter,

denn Licht, Farben, Überfluß

und wie so taumelnd die Sinne quellen!

Über mir wiegen sich Wolkenwellen

wie gelbe Matten - Felder -

farbenträumende Wälder -

Meine Seele schwimmt im Gold der Blätter;

sie treiben in Herbstwinden

wie Menschen, die auseinanderleben

und sich dann wiederfinden…

 

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Frühlingszeit

 

Es träumen so schön die Wolken;

sie ziehen durchs tiefe Blau;

ihnen meine Blicke folgen;

wohin, weiß ich nicht genau.

Dies’ Weben, Bilden, Schweben

ist so geheimnisvoll;

die Andacht darf es heben;

das Herz wird ruhevoll.

Das ist die holde Frühlingszeit!

Ihr Zauber kann mich neu berücken;

die Natur prangt in buntem Kleid

und Schlüsselblumen freundlich blicken.

 

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Zauber der Wolken

 

Über den segelnden Schwalben

ruhiges Gleiten der weißen Wolken,

verwobene Pracht

wie wundervoll verschleierte Feen

sanft dahinschwebend durch die Himmelsbläue -

weckt in mir stille Träume.

dann wieder Türmen der weißen Gebilde in edler Majestät:

Phantastik, die Hoffnung gibt.

Das alles gleicht einem schönen Märchen.

hebt meine Seele empor hoch über die Wirrnis der Zeit

und ich träume noch mit den Feen einen sehnsuchtsvollen Traum,

nur leise erahnend die Erfüllung.

Zauberhaft ist diese Himmelsidyll!

 

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Idyll der Weihnacht

 

Traumzarte Schneeflocken schweben

über dem stillen Land

und der Winter wird nun weben

sein wunderweiß Gewand.

Es sind die Häuser erleuchtet

in kerzenreicher Pracht;

der Glanz der Weihnacht nun auch zieht

zu dem, der einsam wacht.

Traumzarte Schneeflocken schweben

beim trauten Lichterschein

und die Glocken es verkünden:

möge Frieden immer sein!

 

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Der Vorfrühling

 

Im Glanz der Sonne bade ich mich;

sie hat schon wunderbare Kraft;

die milden Lüfte streicheln

sogar die tiefe Nacht.

 

Still wandle ich durch den Garten

in so seligem Erwarten;

wer trägt weiße Kleidchen im Garten?

Es sind die Schneeglöckchen, die zarten!

 

Es ist ein ganz zauberhaftes Bilden;

und entfernt grüßet uns schon der Mai;

der Liebreiz der Natur schenkt mir Freude;

denn der Winter ist ja bald vorbei!

 

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Januarnacht

 

Zauberhaft war die Winternacht in frostklarer Schönheit.

Die Sterne funkelten am tiefschwarzen Himmel wie

Kristalle und Edelsteine.

Der abnehmende Halbmond vergoldete die Landschaft.

Klar stand er am Himmel.

Dann wieder lugte er märchenhaft durch den Wald.

Oh mystisch flutendes Licht! Phantastisch verdämmernd!

Wie berauscht war ich von dem stillen Idyll dieser Nacht.

Eine hauchzarte Schneedecke lag über dem träumenden

Land im glitzernden Widerschein des Mondes.

Welch ein Geheimnis birgt diese prachtvolle Nacht? —

Die Worte fehlen mir, es auszusprechen.

 

(Chemnitz, im Januar 2001)

 

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Sommerabend im Saalepark

 

Die alte Weide träumt voller Schwermut

sanft berühren ihre Zweige den Boden;

von dunklen Abendwolken zart umwoben

träume ich mit der Weide, bin ihr gut

die anmutigen Birken flüstern im Wind

Auf dem Rasen spielt - nicht weit von mir - ein Kind.

 

Und so träume nur, du alte Weide!

Es springt über der tränenschwere Funken:

Mein ganzes Wesen ist wie wehmutstrunken,

wenn ich hör’ ihr stilles Lied vom Leide

das birgt die Erinn’rung an vergang’nes Glück;

nach der fernen schönen Zeit zieht’s mich zurück

Und im Abendwind rauschen noch leis’ die Birken

einer zauberhaften Sommernacht entgegen…

 

Die alte Weide träumt voller Schwermut,

sanft berühren ihre Zweige den Boden;

von dunklen Abendwolken zart umwoben

träume ich mit der Weide, bin ihr gut.

Die anmutigen Birken flüstern im Wind;

auf dem Rasen spielt - nicht weit von mir - ein Kind.

 

Und so träume nur, du alte Weide,

bist so tränenschwer versunken…;

mein Wesen ist wie wehmutstrunken,

wenn ich hör’ dein stilles Lied vom Leide,

das Erinn’rung hängt an fernes Glück;

nach der alten schönen Zeit zieht’s mich zurück;

und im Abendwind rauschen leis’ die Birken

einer zauberhaften Sommernacht entgegen…

 

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Kirschblüten

 

Träumend betrachte ich Kirschblüten:

sie sind so schön ichs nie gedacht;

mir ist’s, ich wär’ im sonnigen Süden

und dieser Traum mich neu entfacht.

Sommer, Hafen, See und Sand und Strand;

und das blaue Meer ist so weit.

Versonnen stößt ein Nachen vom Land;

ich möchte mit hinausfahren ohne Ziel und Zeit - -

 

---

 

Sommerstimmung

 

Berauschend gleiten die Sommerwolken,

dahinschwebend wie anmutsvolle Feen,

die Seele erquickender Balsam,

ein märchenhafter Zauber webt über der Welt

und Schwalben beleben die Himmelsbläue,

die so weit — so weit

Vor mir flattern lustig Schmetterlinge

und mein Blick erfreut

sich an prächtigen Blumen;

leuchtende Rosen erlaben das Auge;

wunderbar vergoldet die Sommersonne die Landschaft;

hinaus zieht’s mich zum Wandern,

zum schönen, stillen Wandern.

 

---

 

Tiefe Sehnsucht

 

Märchenhaft träumend,

entschwebend auf Engels Flügeln,

mich wähnend bei den Sternen,

so nahm die Nacht mich ein —

die tiefe Nacht —

Entschwunden

die Wirklichkeit wie in düsterer Gruft,

ein schwarzer Abgrund ohnegleichen,

für Stunden bedeckt von goldenem Licht,

nicht entweichend das Grausen der Welt — paradiesisch

denn der Cherub wacht.

Hol mich ein, du flimmerndes Gold;

und bedecke den berauschten Sinn!

Du bist so süß, so mild.

Auf Äther schwimmen meine Gedanken

zu den glitzernden Sternen,

eintauchend in das Meer der Ewigkeit.

Erwachend in der Welt,

mich wie Balsamsdüfte noch umfächernd der holde Traum;

Oh komm doch wieder!

Berücke mich!

Sei nicht mehr weit!

 

---

 

Über den Frühling

 

In diesen frostbeglänzten Nächten

trotz winterlicher Schönheit,

da träumt ich vom Frühling, dem rechten;

ihm ward mein Inn’res geweiht.

Doch über diesem so verschneiten Land

ein silbern stiller Zauber lag;

mein Wesen sank ins holde Frühlingsband

von Tauperlen verschneit der Tag.

Nun hab ich ihn vor mir,

den wunderstillen Wintertraum

im gold’nen Frühlingslicht

schwelgt jetzt so mancher grüne Baum.

 

---

 

Weihnachtsstimmung

 

Durch die ruhige Winterpracht

der Zauber der Weihnacht schwebt;

die Weihnachtsfreude es hebt,

wenn die Schneeflocken wirbeln sacht.

Den wunderweißen Winterwald

ein stiller Glanz durchfunkelt;

nun es bereits schon dunkelt;

Klänge der Christnacht tönen bald!

 

---

 

Winterstimmung

 

Sich zart kräuselnde Schneeflocken

säumen meinen traumversonnenen Blick;

es ist ein friedvoll schwebendes Bilden

des schönen Winterkleides,

gleich einem prachtvollen Idyll

in verwobenem weißem Gewande;

die tiefe Stille der Natur

erhöht den Zauber

dieses wundervollen Bildes -

 

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Am Ufer

 

Wir saßen am Ufer, blickend

Hinaus auf die weite See;

So mancher dabei in sich ging,

Vertieft in sein stilles Weh.

Ein Schiff glitt einsam vorüber,

Die Wellen rauschten leise;

Versonnen sah ich nach ihm hin,

Wünschend Glück auf der Reise.

Traumverloren suchte mein Blick

bis er einen Leuchtturm fand,

Die Sonne war längst versunken;

wir träumten so schön am Strand…

 

---

 

Bitte an Frau Holle

 

Im Zimmer ein Kerze brennt;

Schneeflocken fallen leise;

vor langer Zeit man ihn so kennt,

Januars Winterweise.

Mir ist es, als daß Frau Holle

für heut’ hat’s so gut gemeint;

doch wenn dann scheint die Sonne,

schöner Schnee dann wieder weint.

Es zerfließen seine Tränen;

so ist es jetzt fast jedes Jahr;

ach, wenn doch Schneeflocken kämen,

wie freut sich dann der Kinder Schar!

Was machst Du mit dem Schnee, Frau Holle,

der freundlich sich zu uns gesellt

und der so sanft bedeckt die Scholle?

Hast Pechmarie wohl eingestellt?

Denn schon nach eins-zwei Wochen

der Matsch, der liegt so schwer;

wenn Schnee Du uns versprochen,

wir lieben Dich noch mehr!

Doch enttäuscht die Menschen blicken

hinaus in das kahle Land;

tu den Schnee uns wieder schicken!

Vor Jahren ihn oft gesandt…;

wenn sendest Du Regentropfen

und Schnee nur auf den Bergen!

Muß ich bei Schneewittchen klopfen?

Die bringt ihn mit den Zwergen!

 

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Am Saaleufer

 

Im Weidenbaum, im Weidenbaum

in stiller Frühlingspracht,

da sang ihr Lied die Nachtigall

hindurch die ganze Nacht.

Die Weise war so wunderbar

von Liebesglück und -leid;

die Nachtigall trillierte gar

die lange-lange Zeit.

Mir war’s am Ufer der Saale;

sie endigte ihr Rauschen

und schien nun andachtsvoll

diesem Nocturne zu lauschen.

Ja: selbst den Mond in seinem Glanz

entzückte dieser Schall;

freundlich hinunter er blickte

zur holden Nachtigall.

Im Weidenbaum, im Weidenbaum

in stiller Frühlingspracht!

Es war so zauberhaft der Klang,

ein schöner Traum die Nacht.

 

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Die untergehende Sonne

 

Sanft sinkt am Horizont - traumhaft schön - die Sonne hernieder,

einschwingend in den mystischen Zauber der Dämmerung;

in meiner Seele klingt ein wunderbares Abendlied;

mir ist es, als tönt ein leiser Hall in weiter Ferne nach.

Still lausche ich in mich hinein;

es verebbt der Sonne Traum;

die Wälder lauschen mit im Hauch des Dämmerungszwielichts;

versandend kündet der Abendglanz von der Sonne Pracht;

mir ist's, daß in den Tiefen des Alls verlöscht der leise Hall…

 

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Nebel

 

Ihr Schleiergewand zieht an die Welt;

alles ist gespenstisch grau

und schemenhaft steht der Baum im Feld;

es ist nichts zu seh’n genau.

Im Nebeldunst verschwimmt der Wald;

nur kahle Zweige ragen

und es ist doch schon ziemlich kalt

in diesen düster’n Tagen

und die menschlichen Gestalten

- wenn die Sonne versagt ihren Schein -

gleich dämmernden Schatten walten;

da möchte gerne ich zuHause sein.

Wann verlieren sich die Nebel? Heller Tag: wann brichst du sanft herein?

Ist’s doch düster noch und trübe! Diese Frage trifft nicht mich allein…

 

---

 

Fensterblick

 

Berauschend schön ist das Kleid des Mittags, gefertigt aus leuchtender Sonne.

Tauben, Schwalben, Schmetterlinge durchschweben des Frühlings Glanz.

Vor mir schaue ich in eine grünende Weide;

gegenüber und rechts sehr gut sanierte Wohnhäuser,

unter mir ein Kinderspielplatz; alles umgeben von blühenden Wiesen.

Mein Blick weitet sich: der Thüringer Wald umsäumt nach der Ferne den Horizont.

Der Mittagswind webt sich in die Kronen der Bäume.

Sie säuseln ihr eigenes Lied, sanft berührend meine Seele, die schwingt, die selig drängt bis hin zu den weißen Wolken.

O Blütenpracht, o Sich-Vergessen, O stiller Zauber der Natur!

 

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Zauber einer Frühlingsnacht

 

Wie andachtsvolles Schweigen

war die Nacht mild und klar,

als wollte sie nun zeigen,

wie wunderbar sie war.

Frühlingslüfte kamen schon: ganz zart wurden sie wach;

ruhig leuchtete der Mond; es rauschte leis der Bach.

In meinen Träumen flog ich hinauf zu den Sternen;

geheimnisvoll zog es mich in die stillen Fernen…

 

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Weihnachtsfrieden

 

O stiller Weihnachtsfrieden:

du bist so sanft und mild,

wenn wieder uns beschieden

dein wunderprächt’ges Bild!

Du schwebst über den Dächern;

du ziehst von Haus zu Haus;

die Weihnachtsengel fächern

weit ihre Flügel aus.

Es leuchten tausend Kerzen;

Schneeflocken wirbeln sacht

und auch in vielen Herzen

wird’s Weihnachtslicht entfacht.

O stiller Weihnachtsfrieden,

wie bist Du sanft und mild;

so laßt uns auch hienieden

bewahr’n dein Zauberbild!

 

---

 

Auf dem Meer

 

Wenn die Wellen rauschen leise,

ist das Meer so ahnungsvoll;

einsam geht ein Schiff auf Reise,

Wer weiß, wohin es fahren soll?

Es fährt in goldener Mondesnacht;

ein Passagier an der Reling steht;

er träumt in die märchenhafte Pracht;

ein Windeshauch ihm entgegenweht.

Er träumt von sel’ger Kinderzeit

und vom vergang’nen Glück

und ringsherum das Meer so weit

- es bringt’s ihm nicht zurück…;

versonnen steht er noch und lauscht

in die zauberhafte Mondespracht

und nur das Meer ganz leise rauscht

in dieser wunderstillen Nacht.

 

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Preis der Musik

 

Oh Musica, Du edle Kunst!

Des Lebens Wirrnis Du beseelst;

Mit Deinen prächtgen Harmonien

Zur schönsten Kunst Du für mich zählst!

Du bist meine Freude; Du bist mein Schmerz; In Dir eine andere Welt ich seh;

In Dir nach Vollkommenheit ich strebe; Du erfüllst mein ganzes Herz.

Oh Musica, Du edle Kunst!

Du bist das Reich der Gesänge!

Hast mir den Himmel nahgebracht,

Preis Dir für Deine wunderbaren Klänge!!

 

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Die Elfen

 

Es war in wunderbarer Waldesnacht; Die Welt, sie war gehüllt in Schweigen; Nur in den Wipfeln, da rauschte es sacht; Der Mondesglanz hing in den Zweigen.

Es war so still in der weiten Runde, Und bei der goldenen Mondespracht Da kamen aus tiefem Waldesgrunde Elfen vorbei gehuscht in der Nacht.

Und sie kamen um die zwölfte Stunde Im so zauberhaft schwebenden Gang; Mit Feen da standen sie im Bunde; Eine schöne Elfe leise sang.

In dieser phantastischen Waldesnacht Zum Elfenreigen sie sich fanden,

Und während die Wipfel rauschten so sacht, Sie ganz heimlich wieder entschwanden.

 

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Sehnsuchtsbang

 

Sehnsuchtsbang lausche ich in das weite Meer.

Die Wellen

zerschellen

wie meine Liebe; doch es berauscht mich der Wogen Trost so sehr.

Sie türmen und rollen, und sie zerstieben…;

doch traumschön kommen neue mit milder Flut.

O blauer Sommertag!

O Traum vom Lieben!

 

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Nacht am Meer

 

Wunderbar sanft rauschen die Wellen daher

und wenn weht eine zarte Brise aus West,

da ist es bei Mondschein romantisch am Meer

 

und auch viel schöner als wie das schönste Fest!

Es träumen die Wolken; ein Traum ist die Nacht

und ich wünsch’ mir, daß das niemals von mir läßt:

 

Gedanken voll Lyrik umschweben mich sacht’,

tragen mich weit über die Nordsee hinaus;

ein goldener Glanz ist es, der mich entfacht.

 

Fern höre ich nun der Sirenen Gesaus’:

betörender Zauber! Sie zieh’n mich zurück:

gute Geister auch! Norderney - mein Zuhaus’!

 

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’s Studentensonett

 

Ich hab‘ die ganze Abendzeit

studiert in meiner Kneip’;

so sei nun auch die Mitternacht

dem Alkohol geweiht.

Ich schade doch nicht meiner Innung!

Denn: der Zecherei zu fröhnen,

wenn unsere Lieder tönen,

ist eine prächtige Bestimmung!

Doch halt: mein Onkel ist ja tief gesunken;

sein ganzes Grundstück hat er vertrunken;

was soll‘s! — Das zehnte Bier hab‘ ich ja geschafft.

Und geht mir aus der Zaster:

Anschreiben dient dem Laster;

hoch lebe der Gersten- und Rebensaft!

 

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Die Sterne über Hamburg

 

Die Sterne über Hamburg: sie funkelten in Pracht;

idyllisch war’s am Hafen in linder Sommernacht.

Dort träumten wir so wunderbar, erahnend das weite Meer;

ein Schiff ging auf die Reise;

die Wellen sangen leise.

Die Sterne über Hamburg: sie glänzten voller Pracht;

es war so schön am Hafen in linder Sommernacht.

 

(Hamburg, im Juli 1998)

 

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Zauber der Nacht

 

Der Tag legt sich nieder.

Die rote Sonne wiegt ihn ein in das Zwielicht der Dämmerung.

Ruhig streckt sich die Dunkelheit über das weite Land.

Der letzte Sang der Amsel tönt in den Abend wie des Tages Wiegenlied und gleitet hinüber in die Nacht.

Dann: nichts als Stille, klare sanfte Stille.

Am tiefschwarzen Himmel glänzen die schweigenden Sterne.

Zauberhaft ist diese Stille.

Leise wiegt auch uns der sanfte Schlummer der Nacht.

 

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Einsamkeit

 

O tiefe Waldesruhe…; soeben fern die Amsel sang.

Laß’ diesen Traum auf dich wirken: und diese Stille wird zum Klang.

So zauberhaft ist dieses Tönen!

Geh’ in dich und erkenne dich!

Laß’ dich von diesem Klang verwöhnen!

Er ist so sanft, so inniglich…

 

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Verschleiert

 

In geheimnisvoller Nacht schwingen meine Phantasien,

Träume irren in die Ferne, Hoffnungen erblüh’n,

Wolkenschleier umweben den Mond: wie ein Zauber — dies’ Idyll!

Verschleiert liegt auch die Zukunft und der Mond schweigt still…

 

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Nachts am Meer

 

Am Meeresstrand wir beide träumten

in einer wunderstillen Nacht

und leise so die Wellen schäumten,

Leuchttürme grüßten – ferne Pracht;

 

und dieses sanfte Wellenrauschen

umspielte fein ein zarter Fön;

die Sterne waren mit bei’m Lauschen

und dieser Traum: er war so schön!

 

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Im Wald

 

Die Amsel flötet ihre Weise in die abendliche Waldesstille - ihr wundervoller Gesang bezaubert sogar die Nachtigall. Tiefes Blau blickt träumerisch durch die Zweige. Am weiten Himmelsdom über den rauschenden Wipfeln schweben sanft die Wolken dahin. – Weit entfernt liegt das Tosen der Welt. – Ein munteres Bächlein plätschert durch den Wald. Ein einsamer Wanderer zieht vorüber.

Der Wald ist ein kostbares und verletzliches Gut geworden. Laßt uns ihn pflegen und erhalten! Oh: du mein schöner rauschender Wald!

 

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Romanze von der kleinen Nixe

 

Vor langen Zeiten lebte eine kleine Nixe an einem entlegenen See tief im Wald. In einer sternenverträumten Sommernacht weilte sie an dessen Ufer und war vom Spiegel des silbernen Mondes so wundersam ergriffen, dass sie in zartem Zauber ihr Lied erklingen ließ. Sie saß unter einer alten Weide auf einem Stein und war umgeben von Wasserrosen und Wasserlilien. Sacht strich der warme Sommerwind durch die herabhängenden Zweige des alten Baumes und spielte verliebt mit dem wallend goldenen Haar der kleinen Seebewohnerin, deren zierliche Gestalt, einem Schleier gleich, ein Gewand von feiner, weißer Seide hüllte. Das liebliche Wasserwesen trug einen goldenen Gürtel. Eine rote Keife verzierte ihren Hals, und die Zierde ihrer Haare war eine rote Rose. Wie sie da saß und sang, umspielte ein Lächeln ihre kirschroten Lippen, obgleich im selben Moment auch eine leise Melancholie im Blick ihrer tiefblauen Augen lag, denn sie ahnte wohl, dass es in ihrem Leben keine Wiederkehr für die Schönheit dieser Stunden geben würde. Der Klang der Abendglocke, die der Einsiedler läutete, war kaum verhallt, da hatte der volle Mond sein rundes Gesicht über den Horizont erhoben. Auf seiner Bahn verfing sich sein Ebenbild bald im See, und die kleine Nixe hob, berührt und überwältigt von dem, was sie sah, an zu einer Melodie, die kein Menschenwort zu beschreiben vermag. Weltvergessen gab sie sich hin und wurde ganz eins mit dem, was sie schaute. So machte sie, unbemerkt, ihr Lied manch glücklichem Geschöpf zum Geschenk, denn andächtig lauschten ihr bei den Wasserrosen und Wasserlilien über tiefem Grunde nicht nur die anderen Nixen, sondern auch die Ellen und Feen, die sich auf Waldblumen und Blüten schaukelten und, verzaubert, in ihrem Spiel inne hielten. Selbst der wilde Wassermann war innerlich zutiefst berührt von dem himmlischen Gesang. Die Zwerge und Gnome kamen aus ihren Höhlen und unterirdischen Behausungen empor, lagerten sich, in einigem Abstand, um das hinreißende Wasserwesen und träumten, von den Tönen getragen, in die Nacht hinein. Das Himbeermägdelein mit seinem weichen, roten Röckchen und Haar wie Seide, in dunklem Blau das Heidelbeermägdelein, das stolze Stachelbeerfräulein mit seinem weißen Kleid, seiner silbernen Kette und schwarzem Haar sowie die Erdbeermaid mit ihrem gepunktet roten Kleid und mit einer weißen Sternblume verzierten grünem Haar waren wie verzückt von der kleinen Nixe Gesang. Die Waldfrau, die ein braunes, langes Kleid und lange, silberne Zöpfe trug, legte ihre Arbeit nieder, setzte sich auf eine Bank vor ihrer Hütte und schaute versunken zum See hinüber. Wie entrückt waren auch der Waldesprinz mit seiner prächtigen Krone, seinem samtenen Mantel und glänzenden Stiefeln, der Einsiedler mit seinem langen, wallenden Haar, seinem dicken Rauschebart und seiner blitzenden Axt, ja alle Kinder des Zwergen- und Elfengefildes, alle Vögel und die anderen Tiere der dichten Baumlandschaft. Sie scharten sich voller Andacht um das begnadete Geschöpf und ließen dessen vollendeten Gesang auf sich wirken. Sie alle lauschten träumend und träumten lauschend. — Sogar die Nachtigall erbaute sich an ihrer wundervollen Stimme, die von betörender Biegsamkeit und Geschmeidigkeit war, wie zarter Samt. Sie schluchzte, tremolierte, trillierte und weinte, zuweilen in den leisesten Klängen. Ein stiller und verhaltener Schmerz war die Grundstimmung ihres überirdischen Gesanges; doch auch ein anmutsvoller Liebreiz schwang in ihrer Melodie mit. Selbst der Himmel war voll der Freude, solch Lob zu empfangen und dankte es seinem Kind durch die Sterne, die nun noch heller funkelten. Begleitet vom leisen Rauschen des Waldes trug der kleinen Nixe sanfte Stimme Empfinden und Wehmut bis zu den Felsen im Zwergen- und Elfenrevier, von dort aus ein leiser Hall in der Ferne verklang. Hoch im Zenit erstrahlte der Vollmond, als die Künstlerin sang: „Und der Mond träumt am Himmel

in wunderbarer Pracht;

mit dem silbernen Schimmer

verzaubert er die Nacht.

Es kümmert ihn nicht der Zank;

ihn geht nichts an der Streit;

ein Wand’rer sinnt auf der Bank;

der Mond, er leuchtet weit.

Und er träumt am Himmel

so schön’s der Wand’rer nie gedacht;

in dem Silberschimmer

rauscht leise die Sommernacht.“. Und noch manch weiteren beseelten Ton ließ sie erklingen, und wie gebannt lauschten sie alle: Die anderen Nixen, die Elfen und Feen, der wilde Wassermann, die Zwerge und Gnome, das Himbeermägdelein, das Heidelbeermägdelein, das Stachelbeerfräulein, die Erdbeermaid, die Waldfrau, der Waldesprinz, der Einsiedler, alle Kinder des Zwergen- und Elfengefildes, alle Vögel und die anderen Tiere des dichten Buschreviers. Verzaubert waren sie. Noch nie hatte dieses Feenreich so etwas erlebt und sollte es auch in Zukunft nie mehr erleben. Die Nacht ging ihrem Ende entgegen; der Mond vollendete seine Bahn. So auch vollendete die kleine Nixe mit dem heraufdämmernden Morgen ihr Lied, das äußerst zart verhauchte. Alles verharrte in Schweigen. Es gab keinen rauschenden Beifall. Es war still. Und mit einem Male wurde sie derer gewahr, die sie da schweigend mit Bewunderung und Anerkennung bedachten. In dieser einen Sommernacht hatte das Leben der kleinen Nixe seinen Sinn, seine Erfüllung gefunden, und ein Mantel des Glücks breitete sich über ihr aus. Plötzlich, ohne dass auch später einer hätte zu sagen vermocht, woher er gekommen war, rauschte ein böser und neiderfüllter Troll an sie heran, kicherte und verspottete das zarte und verletzliche Seegeschöpf mit hässlichen Gesten. Daraufhin verschwand die kleine Nixe zur schweren Betrübnis aller anderen Wasser- und Waldgeister. Sie hatte in einem anderen Buschrevier an einem anderen See eine neue Heimat gefunden. Und manchmal hört man bei Vollmond in den Nächten der warmen Jahreszeit von den Felsen im Walde noch ein ganz leises Singen, das wie in sehr weiter Ferne verschwebt, und der nächtliche Wanderer meint, dies sei noch ein Nachhall jener wunderbaren Romanze der kleinen Nixe in jener unaussprechlich schönen Sommernacht…

 

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Wanderung in den Morgen

 

Dichter Nebel über den Straßen,

einhüllend Wiesen, Wald und Feld;

still ist es, und noch ruht die Welt;

verschwommen nur seh’ ich die Gassen.

 

Da stiehlt sich aus dem Düster’n

gespenstisch eine Gestalt,

eintauchend wieder in den Dunst,

und nur der Schritt verhallt…;

 

langsam löst der trübe Schleier sich,

und meine Seele löst sich auch

mit linder Lüfte Morgenhauch,

die erste Lerche trilliert so frisch

und die Nebel verlieren sich –

auf geht nun die Sonne;

der Tag wird prächtig;

 

ich wandere hinaus voll Wonne!





musik aus dem vcv(w):